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Musica Tivoli

Multifunktionaler Gebäudekomplex mit Sloweniens modernstem Konzert- und Opernsaal

Musica Tivoli stellt das größte und ambitiöseste Projekt der Kranjska investicijska družba und zugleich ein Projekt dar, wie es auf diesem Gebiet in Slowenien noch nicht realisiert worden ist. Es ist dies ein multifunktionaler Gebäudekomplex direkt im Zentrum der slowenischen Hauptstadt, wobei der Hauptakzent auf einem hochmodernen Konzert- und Opernsaal liegt. Das Bauwerk wird zu einer Architekturikone, zu einem Generator des Kulturschaffens und der begleitenden Tätigkeiten werden, der Ljubljana auf ein höheres Niveau von Erkennbarkeit, Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit unter den Metropolen Europas heben wird. Mit dem Projekt Musica Tivoli werden wir Ljubljana und Slowenien eine neue Zukunft geben. Der Gebäudekomplex ist im Bereich des alten Koliseums geplant, das mit der Zeit seine Funktion und Wertigkeit verloren hat. Um die beste Raum- und Architekturlösung zu erhalten, schrieb die Kranjska investicijska družba im Jahr 2004 einen internationalen Wettbewerb aus. Unter den eingelangten Lösungsvorschlägen wählte die Jury einstimmig das Projekt der niederländischen Architekten Neutelings Riedijk aus Rotterdam aus. Mithilfe ausgewählter Architekten und sonstiger Projektanten und Planungsbüros sowie international anerkannter Experten ist in den letzten Jahren ein einzigartiges Projekt herangereift – Ljubljanas künftiges Wahrzeichen.

 

Ljubljana braucht neue Räume für die Zwecke der Hochkultur
»Goldene Zeiten« außerhalb der Grenzen
Projekt Musica Tivoli
Lage des Komplexes Musica Tivoli – neuer Generator zur Entwicklung des Stadtzentrums
Internationaler Wettbewerb um die beste Raum- und Architekturlösung
Zusammenfassende Meinung der Jury
Über die Architekten W. J. Neutelings und M. Riedijk
Beispiele attraktiver Architektur mit Anlass: Bilbao, Graz, Sankt Petersburg
Warum kann das alte Koliseum nicht erhalten werden?
Was ist mit den Bewohnern des Koliseums geschehen?

 

Ljubljana braucht neue Räume für die Zwecke der Hochkultur

Ljubljana, eine der Metropolen der Europäischen Union, zählt mit weniger als 500 000 Einwohnern zur Kategorie der zweiten Städte des 21. Jahrhunderts. Seine Größe, Überschaubarkeit und Sicherheit stellen eine attraktive Grundlage für die produktive Klasse, den Träger des allgemeinen Fortschritts und der Innovationen dar, um den die modernen Städte und Gesellschaften konkurrieren. Ein Bestandteil urbanen Lebens ist die Kultur, die auch von einem Teil der produktiven Klasse geschaffen wird, wofür geeignete Räume und Gebäude benötigt werden.
Welche Räume stehen Ljubljana für die Zwecke der Hochkultur zur Verfügung? Fast alle entstanden an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (Slowenische Philharmonie, Landestheater – Oper, Deutsches Theater – Schauspielhaus Drama, Nationalmuseum, Nationalgalerie), was für die Entwicklung der nationalen Identität von entscheidender Bedeutung war, und zwar für die Bedürfnisse der Stadt mit etwa 40 000 Einwohnern bzw. mit etwa 400 Plätzen im jeweiligen Gebäude. Im danach folgenden Zeitraum bildet der Bau des Kultur- und Kongresszentrums Cankarjev dom in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts mit mehreren Sälen, die jedoch in diesem Bereich für die heutige Zeit ein zu bescheidenes Angebot für die Hauptstadt eines modernen Landes, geschweige denn für die Hauptstadt eines EU-Mitglieds darstellt, die einzige Ausnahme.

»Goldene Zeiten« außerhalb der Grenzen

Das gerade Gegenteil geschieht aber außerhalb der Grenzen – es herrschen nämlich „goldene Zeiten“ für neue Opernhäuser, Theater- und Konzertsäle, die von den besten Architekten unserer Zeit geschaffen werden (Herzog & de Meuron, Frank O. Gehry, Jean Nouvel, Rem Koolhaas, Norman Foster usw.), die die Form- und Klanggrenzen verschieben und zu Architekturmagneten für Tourismus, neue Ökonomie, wirtschaftlichen Aufschwung und soziale Revitalisierung werden.
Seit 1995 wurden bis heute in Europa mehr als 40 neue Theater, Opern- und Konzertsäle gebaut (einschließlich der noch nicht fertiggestellten), die ein ideales Gleichgewicht zwischen Form und Klang zu erreichen suchen. Mit deren Bau vergrößert sich auch die Zahl der Besucher, da moderne Architektur auch ein jüngeres Publikum anspricht, anlockt und animiert, das die Schönheiten klassischer Musik und sonstiger Bühnenwerke und Spektakel für sich entdeckt. Ljubljana und Slowenien brauchen auf dem Gebiet des rasch wachsenden kulturellen und kreativen Sektors (mit hohem Mehrwert), der sich in den hochentwickelten Ländern viel rascher entwickelt als die übrige Wirtschaft, neue Möglichkeiten, um wirtschaftliche und soziale Entwicklung, Arbeitsplätze und Konkurrenzfähigkeit zu verbessern. Die Kultur ist ein Wirtschaftsfaktor, ein maßgeblicher Faktor der gesellschaftlichen Integration, sie stiftet die Identität einer Nation, eines Landes, und dient der Präsentation im internationalen kulturellen und touristischen Wettstreit. Der Bau eines neuen, großen Konzert- und Opernsaals ist ein bedeutender Schritt in der Werbestrategie von Ljubljana und Slowenien als Kulturmagnet im mitteleuropäischen Raum.
Architektonisches Erscheinungsbild des geplanten Bauwerks, Festsäle und Terrassen über den Dächern der umliegenden Gebäude sowie Zugänglichkeit von einer Tiefgarage werden dem Publikum jene Annehmlichkeiten bieten, die beim Besuch einer Veranstaltung in der heutigen Zeit erforderlich und zu erwarten sind. Das Publikum wird sicher nicht nur aus Ljubljana kommen, das heute 300 000 Einwohner zählt, denn potentielle Besucher gibt es im Hinblick auf die gebauten Autobahnen in einem Radius von 200 Kilometern, somit insgesamt etwa 5 Millionen. Mit diesem Projekt, einem Generator des Kulturschaffens und der begleitenden Tätigkeiten, wird Ljubljana in der Region eine führende Rolle übernehmen und ein höheres Niveau der Erkennbarkeit und Attraktivität und damit der Wettbewerbsfähigkeit unter den europäischen Metropolen erzielen.

Projekt Musica Tivoli

Die Entwicklung des neuen Konzert- und Opernsaals ist einzigartig sowohl nach der Nutzung als auch nach dem Aussehen und der Zweckbestimmung. Auf der Grundlage unser Zukunftsvision und mit dem Ziel, nicht nur inhaltliche und räumliche, sondern auch architektonische Mehrleistungen zu erbringen und Ljubljana auch auf diese Weise auf der internationalen Architekturlandkarte zu verankern, wurden die renommiertesten internationalen Experten auf dem Gebiet des Baus von Konzert-, Opern- und Theatersälen zur Mitarbeit eingeladen, darunter GCA – German Consulting Associates, eines der besten Projektierungs-, Planungs- und Beratungsunternehmen auf dem Gebiet des Baus von Konzert- und Opernsälen, Theatern, Kongresszentren u. Ä. in Europa und weltweit.

Das Projekt Musica Tivoli ist ein multifunktionaler Gebäudekomplex, der aus fünf Segmenten besteht:
•    Grand Hotel Opera der Luxusklasse: 16.358 m2 Nettofläche, 20.531 m2 Bruttofläche, 160 Suiten/Appartements,
Kategorie: 5 Sterne
•    Wohngebäude Villa Opera: 3.205 m2 Nettofläche, 5.252 m2 Bruttofläche, 15 Wohnungen, 32 Parkplätze
•    Geschäftshaus: 6.031 m2 Nettofläche, 7.525 m2 Bruttofläche
•    Tiefgarage: 18.143 m2 Nettofläche, 18.782 m2 Bruttofläche, 468 Parkplätze, 4 Etagen
•    Konzert- und Opernsaal: 16.099 m2 Nettofläche, 20.633 m2 Bruttofläche, 1675 Plätze für Konzert- und 1565 Plätze für
Opernaufführungen

Über Lage und Investitionswert:
•    Einzigartige Lage in Ljubljana auf einem ca. 10.000 m2 großen  Grundstück
•    Bruttofläche des gesamten Komplexes: 72.723 m2
•    Baubeginn: 2013
•    Investitionswert: 142,5 Mio. EUR, davon 60 Mio. EUR für den Konzert- und Opernsaal im Rahmen einer Öffentlich-
Privaten Partnerschaft (PPP)

Lage des Komplexes Musica Tivoli – neuer Generator zur Entwicklung des Stadtzentrums

Das ehemalige Koliseum, in dessen Bereich der Komplex Musica Tivoli geplant ist, liegt innerhalb des von Tivolska cesta, Gosposvetska cesta, Puharjeva ulica und Župančičeva ulica gebildeten städtischen Verkehrsrings, der in seiner Verlängerung mit dem kulturellen und politischen Kernbereich des Stadtzentrums verbunden ist. Auf dieser Achse befinden sich Nationalgalerie, Moderne Galerie, Oper, Nationalmuseum, Parlament sowie über den Platz der Republik auch das Kultur- und Kongresszentrum Cankarjev dom und das Schauspielhaus Drama. Der Stadtkern war aufgrund der am Stadtrand neu entstandenen Einkaufszentren, die ein entsprechendes Angebot und ein geregeltes Verkehrssystem aufzuweisen haben, lange Zeit sozusagen langsam ausgestorben. Wir sind jedoch in den letzten Jahren Zeugen eines neuerlichen Auflebens und damit Verstehens der Rolle der Hauptstadt und ihres Zentrums. Nur neue Entwicklungsgeneratoren werden dem Stadtkern neues Wachstum und Belebung ermöglichen. Der Bereich des Koliseums, wo der neue Komplex Musica Tivoli geplant ist, kann durch Anbindung an den Verkehrsring der Tivolska cesta mit einem entsprechenden Inhalt zu einem Motor der neuen Entwicklung des Stadtkerns werden, was auch Ziel und Zukunftsvision des Investors ist. Damit würde auch eines der am meisten degradierten Bereiche im engeren Stadtzentrum geregelt werden.

Internationaler Wettbewerb um die beste Raum- und Architekturlösung

Um die beste Raum- und Architekturlösung zu erhalten, hat sich der Eigentümer 2004 entschlossen, einen Wettbewerb auszuschreiben. Das entscheidende Kriterium war Qualität auf Weltniveau. Auf Vorschlag von Experten wurden deshalb zehn der weltweit renommiertesten Architekten eingeladen, die die erforderlichen Wettbewerbsbedingungen erfüllten. Von diesen kamen der Einladung acht Architekten nach, wobei sechs ihre Lösungsvorschläge einreichten.

Die eingelangten Projekte wurden von einer Jury unter der Leitung von Boris Podrecca bewertet, einem bekannten Architekten und Professor an der Technischen Universität Stuttgart, der in Wien lebt und arbeitet. Die übrigen Jurymitglieder waren:
-    Prof. Dr. Kurt Forster, Direktor der Biennale von Venedig und Professor an der Bauhaus-Universität Weimar
-    Prof. Dr. Marco De Michelis, Direktor und Professor an der Schule für Gestaltung und Kunst (IUAV) Venedig
-    Prof. Hilde Léon, Direktorin des Instituts für Planung und Architektur an der Technischen Universität Hannover
-    Prof. Sergej Pavlin, Professor an der Universität Ljubljana
-    Gojko Zupan, Kunsthistoriker
-    Igor Jurančič, Architekt
-    Jože Anderlič, Eigentümervertreter und Wettbewerbsausschreiber

Von den sechs eingelangten Lösungsvorschlägen (Bolles + Wilson, Deutschland, David Chipperfield Architects, Großbritannien, Foreign Office Architects, Großbritannien, Heikkinen-Komonen Architects, Finnland, Rafael Moneo, Spanien, und Neutelings Riedijk Architects, Niederlande) wurde von der Jury einstimmig das Projekt der niederländischen Architekten Willem Jan Neutelings und Michiel Riedijk ausgewählt.

Zusammenfassende Meinung der Jury

»Das Siegerprojekt entspricht in mehreren Aspekten seiner komplexen urbanen, durch die erkennbare und andersartige Nachbarschaft bestimmten Situation und bewältigt das geforderte multifunktionale Konzept des Bauwerks im Raum in vorzüglicher Weise. Zwei Drittel der Flächen des Gebäudekomplexes sind für die öffentliche Nutzung bestimmt. Das Projekt führt das öffentliche Stadtparterre äußerst geschickt von beiden Seiten in das Bauwerk – durch den Argentinischen Park und von der Gosposvetka cesta. Die einzelnen Teile als auch der gesamte Gebäudekomplex sind hervorragend miteinander verbunden. Auch der gesamte Bereich ist an den Hauptverkehrsring, die Tivolska cesta, hervorragend angebunden. Auf sehr originelle Weise manifestiert sich das Erscheinungsbild des Saals, der mit seiner ovalen Form in der Vorhalle schwebt. Eine Architekturikone stellt der zentrale Glaskubus über dem Mehrzwecksaal dar, der das Herz des Gebäudes ist. Diese Glasform mit einem Pflanzenmotiv wächst zwischen drei Türmen durch das Flachdach des mittleren Teils über dem Tanzsaal mit Restaurant, der mit über der Stadt sich erhebenden Terrassen und Ausblicken auf allen Seiten umgeben ist. Das Projekt trennt öffentliche und Privatsphäre auf hervorragende Weise. Zwei Villen mit mehreren Wohnungen sind in die bestehende Bebauung mit Stadtvillen auf der Südwestseite integriert. Der Fassadenmantel mit schrägen Türmen bedeutet eine Architekturinnovation und ein neues Symbol im Raum, das mit seiner Familie dreier Türme der Stadtsilhouette entspricht.«

Über die Architekten W. J. Neutelings und M. Riedijk


Zum
Willem Jan Neutelings und Michiel Riedijk sind seit 1997 Partner in ihrem Architekturbüro in Rotterdam, in dem ungefähr 20 Architekten und Gestalter beschäftigt sind. W. J. Neutelings lehrte von 1991 bis 1999 an vielen niederländischen Architekturschulen und Instituten, unter anderem auch am Berlage Institut Amsterdam, an der Architekturakademie Rotterdam und an der Harvard Graduate School of Design in Boston. Er ist Schüler von Rem Koolhaas, einem der weltweit renommiertesten Architekten und Architekturtheoretiker. Das Architekturbüro erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Rotterdam-Maaskant Prize und eine Auszeichnung auf der Architekturbiennale in Venedig. Die Arbeiten des Büros Neutelings Riedijk Architects wurden in New York, Paris, Venedig, Porto, Sao Paulo, Barcelona, Rotterdam und vielen anderen Städten ausgestellt.

Beispiele attraktiver Architektur mit Anlass: Bilbao, Graz, Sankt Petersburg

„Bilbao-Effekt“

Zum
Die baskische Stadt war früher nur eine von vielen europäischen Städten, die sich von den anderen nicht wesentlich unterschieden hat. Nach einer Krise in den 80er Jahren, als Bilbao ohne echte Zukunftsperspektiven dastand, hat sich die Stadtverwaltung dazu entschlossen, dass Bilbao eine neue Rolle in der modernen Zeit erhalten muss. Dies war auch der Anlass für die Einladung des Architekten Frank O. Gehry, der dort das Guggenheim-Museum schuf. Das Projekt kostete die Stadt 100 Mio. US Dollar, hat ihr aber dafür Weltruhm gesichert: Im Jahr nach der Museumseröffnung besuchten Bilbao unglaubliche 1 300 000 Touristen, was der Stadt einen unerwarteten Auftrieb gab. Nach ihr wurde der Einfluss benannt, den ein wegweisendes Bauwerk auf die Entwicklung einer Stadt und Region hat – der so genannte »Bilbao-Effekt«.
Mehr unter: www.guggenheim.org/bilbao

Graz

Zum
Graz war so wie viele andere europäische Städte mit dem Problem des Aussterbens der Innenstadt konfrontiert. Das Stadtzentrum war öd und leer, und die Menschen hielten sich in den Einkaufs- und Vergnügungszentren am Stadtrand auf. Die neue Galerie in der Altstadt (»Friendly Alien«) lockte nicht nur die Menschen zurück ins Zentrum, sondern wurde von den Bewohnern als neue Identität, als Symbol der Stadt präsentiert. Damit waren die Voraussetzungen für den so genannten Architekturtourismus gegeben.
Mehr unter: www.museum-joanneum.at/en/kunsthaus/kunsthaus-graz-5

Sankt Petersburg
Auch die ehemalige russische Hauptstadt ging an das Problem zu geringer Kapazitäten des bestehenden Mariinski-Theaters in der Altstadt mit der Ausschreibung eines internationalen Wettbewerbs heran, um ein Modernisierungsprojekt für das »Neue Mariinski-Theater« zu erhalten. Wettbewerbssieger wurde der weltbekannte französische Architekt Dominique Perrault mit einer futuristischen Lösung. Sowohl der Wettbewerb als das Projekt (200 Mio. Euro) wurden von der Stadt mit eigenen Geldmitteln finanziert.
Mehr unter: www.arcspace.com/architects/perrault/mariinskj/index.html
www.ericowenmoss.com/index.php?/projects/project/imariinsky_cultural_center_ibrnew_mariinsky_theater/

Warum kann das alte Koliseum nicht erhalten werden?


Zum
Die Geschehnisse rund um das Koliseum in Ljubljana und die zahlreichen Dilemmas bezüglich der Frage, ob man das Gebäude erhalten oder abreißen soll, haben mehr als je zuvor die slowenische Öffentlichkeit bewegt. Die Kranjska investijska družba setzt sich für die Erhaltung des historischen und kulturellen Erbes ein, insbesondere, wenn es einen großen denkmalpflegerischen Wert hat. Das alte Koliseum stellt aber, so wie in Prag und Wien, auch in Ljubljana keinen solchen Wert dar, was auch die Fachwelt bestätigt hat.

Mehr noch: Bereits 1995 brachte das von der Stadtgemeinde Ljubljana angeforderte Gutachten der Anstalt für Material- und Konstruktionsforschung – ZRMK Zweifel über die wirtschaftliche Berechtigung einer Renovierung des Gebäudes in der Form zum Ausdruck, in der es errichtet worden ist – der Kernpunkt denkmalpflegerischer Forderungen – unter Berücksichtigung der heute geltenden Standards und Vorschriften. Das heißt, dass das Gebäude zur Gänze abgerissen und neu errichtet werden müsste. Im Hinblick auf die Größe des Bauwerks würde ein solcher Eingriff die Steuerzahler schätzungsweise 30 Mio. Euro kosten. Zur besseren Vorstellung: Das ist so viel, wie der Bau von 384 Wohnungen mit 60 m2 Fläche kosten würde, wenn wir den Quadratmeterpreis des slowenischen Wohnungsfonds (1.300 Euro/m2) berücksichtigen.

Dazu sollen einige weitere Tatsachen angeführt werden:

-    Das heutige Koloseum umfasst eine Brutto-Geschossfläche von 15.751 m2 auf einem 9.210 m2 großen Grundstück. Das Gebäude steht in einer ehemaligen Kiesgrube, wobei das Erdgeschoss fast 5 m unter dem Niveau des Stadtparterres liegt, was seine Funktionalität zusätzlich verringert. Das funktionelle Konzept des Gebäudes spiegelt die Bedürfnisse des Investors aus dem 19. Jahrhundert wider. Im Hinblick auf die Fläche und die geltenden Standards würde das Gebäude mehr als 400 Parkplätze benötigen, die bei einer Erhaltung der bestehenden Anlage weder auf dem Grundstück noch in der näheren Umgebung sichergestellt werden könnten.

-    Zustand der Tragkonstruktion: »Die Tragkonstruktion des Gebäudes ist aufgrund der zahlreichen, durch
Überbelastung, übermäßige Feuchtigkeitsaufnahme der tragenden Elemente und durch nicht entsprechende Eingriffe in die Tragkonstruktion des Gebäudes entstandenen Schäden in einem relativ schlechten Zustand. An bestimmten Stellen ist das Mauerwerk so beschädigt, dass die Ziegel auch im Kern der Mauern in der Hand zerbröckeln.« (Anstalt für Bauwesen – ZAG)

-    Tragende Mauern: »Die Grenzbelastungen in den inneren Pfeilern überschreiten die rechnerische Druckfestigkeit des Mauerwerks. Die am meisten belasteten Pfeiler befinden sich wegen der größeren Geschosshöhe und der geringeren Pfeilergröße im Nordtrakt, wo die rechnerische Druckfestigkeit um bis zu 423 % überschritten ist, etwas weniger belastet (um bis zu 244 %) sind die Säulen im Südtrakt und die Säulen im Mitteltrakt.« (ZAG)

-    Erdbebensicherheit: Das Gebäude garantiert im jetzigen Zustand nicht die geforderte Erdbebensicherheit, weder gemäß Eurocode 8, der von Slowenien als Vorstandard schon übernommen wurde, noch gemäß der weniger anspruchsvollen Regelung. »Das Problem liegt aber nicht nur in der zu niedrigen globalen Erdbebensicherheit. Aufgrund der Überbelastung einiger innerer Ziegelpfeiler im Nordtrakt des Gebäudes stürzen diese schon bei minimaler horizontaler Erdbebenbelastung ein, voraussichtlich schon im Bereich einer 10 %igen globalen Erdbebensicherheit. Dieser lokale Einsturz der Pfeiler im Nordtrakt bedeutet auch eine Einbuße des Tragwerks und einen Einsturz der Gewölbe, der oberen Mauern und sämtlicher Deckenkonstruktionen, die diese Pfeiler indirekt stützen.« (ZAG)

-    Dass das Gebäude baufällig oder bi zu dem Maß beschädigt ist, dass die Baufälligkeit oder Schadhaftigkeit mit den üblichen Mitteln nicht beseitigt werden kann, da die Sanierungskosten den Wert eines Neubaus um mehr als 50 % überschreiten würden, wurde im Sachverständigengutachten vom Mai 2008 festgestellt, in dem auch steht, dass das Gebäude für neue, moderne Tätigkeiten und Anforderungen funktionell ungeeignet (veraltet) ist. Das Gutachten war eines der obligatorischen Beilagen des Eigentümers beim Antrag auf Erteilung der Zustimmung des Denkmalschutzamtes zur Beseitigung des Denkmals.

-    Im Hinblick auf das Baukonzept und den dargestellten Gebäudezustands ist es völlig unmöglich, das Gebäude mit einer üblichen Renovierung den heutigen gesetzlichen und funktionellen Standards anzupassen. Zwei ähnliche Gebäude, die in Graz und Wien standen, mussten schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Neubauten weichen – ohne dass dabei ein zwingender »denkmalpflegerischer Wert« betont worden wäre.

Was ist mit den Bewohnern des Koliseums geschehen?

Das Koliseum nimmt eine der besten Lagen im Zentrum von Ljubljana ein, obwohl es noch vor einigen Jahre dem gleichen Zweck diente wie am Ende des 19. Jahrhunderts, das heißt „sozialem“ Wohnen unter unmöglichen Wohnverhältnissen. In den meisten Wohnungen gab es weder ein Bad noch eine Toilette, wobei es sich um Einraumwohnungen handelte.

Aufgrund des teilweisen Gebäudeeinsturzes von 1995, bei dem drei Menschen ihr Leben verloren hatten, forderte die Stadtgemeinde Ljubljana bei der damaligen Anstalt für Material- und Konstruktionsforschung – ZRMK  eine Bewertung der statischen Sicherheit und Stabilität des Gebäudes an. Im Einklang mit der Bewertung des erwähnten Gutachtens, dass eine Untersuchung der Qualität des Mauerwerks und eine Berechnung der Erdbebensicherheit vor Ort notwendig sind, aber auch wegen der gesetzlichen Verantwortung des Eigentümers für die Sicherheit der Mieter, forderte der neue Eigentümer sogleich nach dem Kauf des Gebäudes bei der Anstalt für Bauwesen – ZAG und der Anstalt für Gesundheitsfürsorge Ljubljana die Ausarbeitung von Elaboraten über Sicherheit und Erdbebensicherheit des Gebäudes, Brandgefahr und gesundheitliche Eignung der Wohnverhältnisse an.
Alle drei Elaborate haben bestätigt, dass das Gebäude zum Wohnen ungeeignet ist, dass es die Gesundheit und die Sicherheit der Menschen und deren Vermögen bedroht und dass ein sofortiger Auszug der Bewohner und Benutzer des Gebäudes ratsam ist (ZAG, Bericht Nr. P 436/04-650-1 und Studie E 4577-540-1, Anstalt für Gesundheitsfürsorge Ljubljana, Nr. 120-35-272-2/04). Davon hat der Eigentümer alle Bewohner und Benutzer der Räume im Gebäude verständigt.
Der neue Eigentümer sicherte den Bewohnern mit Wohnrecht eine Ersatzwohnung nach ihrer Wahl bzw. Geldmittel zu, mit denen sie ihr Wohnungsproblem lösen konnten. Obwohl der Eigentümer gesetzlich dazu nicht verpflichtet ist, er ihnen eine allseitige (auch finanzielle) Hilfe bei der Lösung ihrer Wohnungsprobleme angeboten.

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